Studie der Woche

Förderung sozial-emotionaler Kompetenz im Kindergarten


Förderung sozial-emotionaler Kompetenz im Kindergarten
               
Etwa 15 – 20 % der Kindergartenkinder zeigen im Bereich der sozial-emotionalen Kompetenzen keine altersgemäße Entwicklung. Die sozial-emotionale Kompetenz wird in vier Bereiche unterteilt: 1. Aufmerksamkeit für das eigene Befinden, 2. Empathiefähigkeit, 3. Beziehungsfähigkeit und 4. konstruktiver Umgang mit belastenden oder sozial problematischen Beziehungen. Diese Kompetenz ist eine Voraussetzung für soziale Verhaltensweisen. Kinder, welche hier Defizite aufweisen, zeigen häufig aggressives und problematisches Verhalten. Daher wird häufig bereits von Erzieherinnen eine frühzeitige Prävention und gezielte Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz im Kindergarten gefordert.

 

 

 

Hierzu lassen sich unterschiedliche Trainingsprogramme finden, die kurzfristig alle recht wirksam sind. In der vorliegenden Studie wurde eines dieser Programme bezüglich seiner Wirksamkeit getestet. Es wurde für Kindergartenkinder konzipiert und besteht aus zwei Bereichen: Im ersten Bereich lernen Kinder, die Basisgefühle zu erkennen und zu differenzieren. Im zweiten Bereich geht es um soziales Problemlösen, um alternative Lösungsstrategien in Konflikten und die Bewertung von Alternativhandlungen. Das Training wurde drei Monate lang je zweimal wöchentlich zu je 30 Minuten mit den Kindern durchgeführt. Zu Beginn und zum Ende der Trainingsmaßnahme füllten Kinder, Eltern und Erzieher einen Fragebogen aus. Ca. 300 Kinder aus 20 Kindergärten nahmen an der Maßnahme teil. Sie wurden in Trainingsgruppe und Kontrollgruppe eingeteilt, um die Effekte des Trainings besser erkennen zu können.

     
Auffällig an der Stichprobe war der hohe Anteil von Risikokindern. Die Ergebnisse zeigen, dass das Training bei allen Kindern eine Verbesserung der sozial-emotionalen Kompetenz bewirkt hat; besonders stark war die Verbesserung aber bei den Risikokindern. Es gab außerdem weniger Probleme mit Gleichaltrigen und einen Anstieg des prosozialen Verhaltens. Das Training verbessert daher die Interaktion zwischen den Kindern. Allerdings konnten diesbezüglich bei den Risikokindern kaum Verbesserungen gefunden werden. Daraus könnte man schließen, dass Nicht-Risikokinder von universellen Trainings, die das soziale Verhalten fördern, eher profitieren als Risikokinder, die eine gezielte Maßnahme benötigen.

In der Ärgerregulation ließen sich keine Verbesserungen finden. Kinder in diesem Alter scheinen noch nicht so gut in der Lage zu sein, negative Handlungsimpulse zu kontrollieren und zu lenken.
                 

Allgemein erwies sich das Training als eine wirkungsvolle Maßnahme zur Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen.

 

 

 

 
Wadepohl, H., Koglin, U., Vonderlin, E. & Petermann, F. (2011). Förderung sozial-emotionaler Kompetenz im Kindergarten. Kindheit und Entwicklung, 20 (4), 219-228.