MainPost - Soziales Engagement als Lehrauftrag

Zuletzt aktualisiert: 19 Januar 2015

In der Ausgabe vom 08. März berichtet die Mainpost über Service Learning an der Universität Würzburg

Soziales Engagement als Lehrauftrag

Sprachtraining für Grundschüler durch Studierende der Universität Würzburg – Hochschulnetzwerk für Service Learning - Von Claudia Kneifel
 
Der, die, das . . . Welcher Artikel ist der Richtige? Mittels Memory-Kärtchen trainieren sechs Schüler der Leonhard-Frank-Volksschule in Würzburg die deutsche Sprache. Service Learning heißt die Idee aus den USA. Dabei stellen Studenten ihr Wissen der Bevölkerung zur Verfügung.

Alejandra Prida und Sabrina Hoff studieren Diplom-Pädagogik an der Universität in Würzburg. Seit diesem Schuljahr bieten sie im Rahmen von Service Learning Sprachtraining für Migrantenkinder an. Die Idee kommt aus den USA: Studenten geben ihr an der Universität erworbenes Wissen an die Bevölkerung weiter. Unentgeltlich. Heinz Reinders, Professor für Empirische Bildungsforschung, hat diese Idee aus den USA mit nach Würzburg gebracht.

In Amerika sei es gang und gäbe sei, dass Studierende mit Hilfe der Universität in karitativen und gemeinnützigen Einrichtungen aktiv werden. Sie helfen und sammeln gleichzeitig praktische Erfahrungen. Kooperationspartner können Kindergärten, Schulen oder andere kommunale Einrichtungen sein.

„Interkulturelle Kompetenzen trainieren“ heißt Reinders Seminar, bei dem sich elf Studenten zwei Semester lang mit Sprachförderung in Theorie und Praxis beschäftigen, wie auch Alejandra Prida und Sabrina Hoff. Jeden Donnerstag kommen sie in die Grundschule und arbeiten mit sieben Kindern aus der ersten Klasse. Die Kinder kommen aus türkisch- oder russisch-sprachigen Familien.

Der, die oder das?

Ein Kärtchen mit einem Haus liegt auf dem Tisch. „Heißt es der, die oder das Haus?“, fragt Prida. Die Kinder überlegen und rufen durcheinander: „Der Haus“, „das Haus“, „die Haus“. Haff schreibt das Wort mit dem richtigen Artikel an die Tafel. Das Spiel haben sich die Studenten ausgedacht, die Karten selbst gebastelt.

Sprache wahrnehmen und Sprache reproduzieren, das sei das Wichtigste beim Sprachtraining. „Das gelingt durch Wort- und Reimspiele“, sagt Reinders. Doch Service Learning sei in jeder Fakultät und Fachrichtung möglich: BWL-Studenten entwickeln Sponsoringkonzepte, Chemiker analysieren das Trinkwasser einer Stadt oder Gemeinde und Soziologiestudenten helfen in einer Obdachlosenküche aus.

Um Service Learning mehr zu fördern, gründet Professor Reinders an diesem Montag mit den Universitäten Duisburg-Essen, Erfurt, Lüneburg, Mannheim, Trier und der Uni des Saarlandes ein Hochschulnetzwerk „Bildung durch Verantwortung“. Ziel ist es den Studenten eine vertiefte und verbesserte Ausbildung zu garantieren und zugleich die Universität mit der Region zu vernetzen.

Ob die neue Lehr-Lernform einen zusätzlichen Nutzen für Studierende bringt, hat die Universität Würzburg in der deutschlandweit ersten Pilotstudie untersucht. 116 Studierende wurden im Verlauf eines Semesters begleitet, die an Service Learning teilnahmen und mit Kommilitonen aus konventionellen Veranstaltungen verglichen. Dabei zeigte sich ein deutlicher Anstieg des erlebten Wissens bei der ersten Gruppe. „Wir waren überrascht, wie deutlich positiv Service Learning bei Studierenden zu Buche schlägt“, sagt Reinders.

Stichwort

Service Learning Beim universitären Service Learning werden die wissenschaftliche Inhalte eines Seminars mit gemeinnützigem Engagement der Studierenden verknüpft. Service Learning wird auch an Schulen praktiziert. Mehr Infos im Internet unter: www.netzwerk-bdv.de