Die ZEIT - Türkinnen selbständiger als ihre Brüder

Zuletzt aktualisiert: 29 August 2011
In der Ausgabe vom 06.08.2009 wird die Migrationsstudie in einem Kurzinterview mit Prof. Reinders erläutert:

Türkischstämmige Mädchen wollen selbstständiger sein als ihre Brüder

DIE ZEIT: Sie haben 830 türkischstämmige Hauptschüler über das Verhältnis zu ihren Eltern befragt. Was ist das wichtigste Ergebnis Ihrer Studie?

HEINZ REINDERS: Dass die türkischstämmigen Mädchen gegenüber ihren Eltern eine größere Selbstständigkeit einfordern als die Jungen.

DIE ZEIT: Woran Iässt sich das festmachen? 

REINDERS: Zum Beispiel an der Berufswahl. 77 Prozent der Mädchen wollen sich dabei von den Eltern nicht reinreden lassen. Bei den Jungen sind es nur 62 Prozent. 85 Prozent der Mädchen gaben an, gegenüber den Eltern eine eigene Meinung zu vertreten, bei den Jungen waren es 76 Prozent. Und die Mädchen bringen häufiger Vorschläge ins Familienleben ein als die Jungen. Ein weiteres Beispiel ist die Frage der Freizeitgestaltung. Da sagen mehr Mädchen als Jungen: Das geht nur mich etwas an, ich möchte nicht, dass meine Eltern da groß reinreden. Mehr Mädchen als Jungen sagen übrigens auch, dass sie sich sicher fühlen im Umgang mit anderen Kulturen.

 

ZEIT: Wie sieht es bei der Wahl der Freunde aus?

REINDERS: 77 Prozent der Mädchen gaben an, ihre Freunde selbst wählen zu wollen, bei den Jungen waren es 72 Prozent.

ZEIT: Hilft das Wünschen?

REINDERS: Natürlich ist mit diesen Wünschen nichts über eine tatsächliche Unabhängigkeit gesagt. Aber es wird doch deutlich, dass die türkischstämmigen Mädchen stärker nach Unabhängigkeit streben als die Jungen.

ZEIT: Welche Rolle spielt die Religiosität?

REINDERS: Je religiöser die Eltern sind, umso mehr tendieren sie dazu, die Freizeit ihrer Kinder zu überwachen.

Interview: Arnfrid Schenk